Montagsmahnwachen - sind sie erste Anzeichen einer neuen Friedensbewegung

Aus Inrur

Die Kentrail-Verschwörung
10. September 2014
Bericht über eine Veranstaltung im TAZ Cafe
mit dem Titel
"Montagsmahnwachen - sind sie erste Anzeichen einer neuen Friedensbewegung"

Am Montag, dem 08.09.2014 fand im taz-cafe
im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Das Bewegungsgespräch“
eine Podiumsdiskussion mit dem Titel
„Montagsmahnwachen - sind sie erste Anzeichen einer neuen Friedensbewegung?“ statt.
Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen
und so trafen wir eine Viertelstunde vor Beginn
in der Rudi-Dutschke-Straße ein.
Gerade zogen die 25 TeilnehmerInnen einer Montagsmahnwache unter lautem Gegröle („Lügenpresse!“) Richtung Springer-Hochhaus am taz-Gebäude vorbei.
Bereits vor Ort war der als Redner angekündigte Pedram Shahyar, Ex-Attac-Mitglied, der dem „linken“ Flügel der Montagsdemos zugerechnet wird.
Bevor die Veranstaltung begann, gab er Montagsdemo-Ikone Ken Jebsen
für dessen Youtube-Channel KenFM vor dem taz-Gebäude ein Interview.
Im Cafe selbst befanden sich schätzungsweise 40 Personen
und wir ergatterten uns ein paar freie Sitzplätze.
Die drei Redner (Pedram Shahyar, Dr. Peter Strutynski, Mitglied der AG Friedensforschung Kassel
und Dr. Peter Ullrich, Initiative für ein Institut für Protest- und Bewegungsforschung, TU Berlin,
ein Aktivist der „alten“ Friedensbewegung
und ein Organisator der Studie über die Montagsdemo)
betraten das Podium und der Moderator ergriff das Wort.
Schon bei seiner Begrüßung wirkte dieser überfordert
und merkte an, dass er nur als Vertretung da wäre
und die Aufgabe auch gerne abgeben würde.
Noch vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung entbrannte eine Diskussion
über die Frage, ob KenFM diese mit zwei Kameras filmen
und die Aufnahmen über seinen Youtube-Channel verbreiten dürfe.
Einige BesucherInnen sprachen sich vor allem aus Sorge vor möglichen Anfeindungen im Internet dagegen aus,
ebenso ein taz-Mitarbeiter, der auf das Hausrecht hinwies.
Ein anderer Grund bestand darin, dass diese Aufnahmen kommerziell verwertet werden
und man KenFM nicht durch diese Veranstaltung finanziell unterstützen wollte.
Shahyar allerdings bestand auf die Aufnahmen
und so wurde der „Kompromiss“ geschlossen,
dass nur er gefilmt werden sollte - vor einer Spiegelwand, in der das gesamte Publikum zu sehen war. Wem das nicht passe, der könne ja die Veranstaltung verlassen.
Mehrere Personen aus dem Publikum standen auf und stellten sich an den Rand um nicht gefilmt zu werden.
Während der gesamten Veranstaltung sorgten die Kameras für Diskussionen
und mehrfach wurde darum gebeten, das Filmen einzustellen.
Ken Jebsen genoss die Aufmerksamkeit sichtlich.
Die eigentliche Podiumsdiskussion begannen Dr. Strutynski und Dr. Ullrich
mit einer kurzen Einführung zur heutigen Situation der Friedensbewegung,
ihre Versäumnisse und Aussichten.
Dr. Ullrich erläuterte die Studie,
die im Juni auf den Mahnwachen durchgeführt wurde
und ein recht heterogenes Bild über deren Teilnehmer lieferte.
Daraufhin sprach Shahyar über die aktuelle Situation und die Probleme der Mahnwachen sowie der deutschen Linken.
Dabei behauptete er unter anderem, dass die deutsche Linke größtenteils eine sektiererische Gruppe sei,
die nichts mehr bewege und sich nur gegenseitig beharken und hochtrabende Reden halten würde.
Als „abgekoppelt von den Sorgen der Menschen“ bezeichnete er die Situation,
während gleichzeitig in Friedrichshain 1500 Menschen spontan gegen die Flüchtlingspolitik des Berliner Senats und der deutschen Regierung demonstrierten.
„Die deutsche Linke sei zum Teil in den 80ern hängengeblieben“ was er unter anderem daran ausmachte, dass mensch sich nicht von KenFM filmen lassen wollte.
Die Rechten seien im Netz halt viel aktiver und man müsse von ihnen lernen.
Auf die Publikumsfrage "Was kann man bitte von Michael Dienelt lernen?" antworte Shahyar allerdings mit: "Das ist ein unseriöse Frage!"
Michael Dienelt ist ein Chemnitzer Montagsdemo-Redner,
der dem Reichsbürger-Spektrum zuzurechnen ist
und der in Berlin und Halle auf den gleichen Veranstaltungen auftrat,
bei denen auch Shahyar sprach.
Mittlerweile hatten sich einige der vorher „Lügenpresse“-brüllenden DemonstrantInnen unter das Publikum gemischt,
so dass die Zuschaueranzahl auf 50 bis 60 Personen stieg.
Das Mikrophon wurde an den Mahnwachenteilnehmer Christoph Kastius gereicht,
der sogleich sämtlichen westlichen Medien Kriegshetze vorwarf,
die russischen jedoch lobte.
Zudem forderte er Friedensverträge für Deutschland und eine neue Verfassung,
denn dann würde es keine Kriege mehr geben.
Das sei ein Hauptziel, warum er und andere auf die Mahnwachen gingen.
Auf die Gegenfrage eines Zuschauers, warum er russischen Medien vertraue, antwortete er mit:
"Uns bleibt ja nichts anderes übrig, als die russische Propaganda [sic!] zu glauben.“
Kastius ist kein Unbekannter.
Er ist neben seiner Nähe zu Holocaustleugnern und Reichsbürgeransichten für schwere Gewalttaten bekannt,
unter anderem randalierte er mit einer Axt in einem Berliner Jobcenter,
besuchte einen vermeintlichen politischen Gegner mit einem Totschläger
und stürmte eine Sendung von N-TV mit gezogener Waffe,
die sich später als Schreckschusspistole herausstellte.
Seit 2002 liefen gegen ihn mindestens 31 Ermittlungsverfahren
“u.a. wegen Bedrohung, Verstoßes gegen das Waffengesetz,
gefährlicher Körperverletzung, verfassungsfeindlicher Verunglimpfung von Verfassungsorganen,
Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Nötigung und Beleidigung”.
Wenige Stunden vor der Veranstaltung im taz-Cafe
sprach er während der Montagsdemo vor dem Reichstag davon,
dass „wir 1945 quasi entmachtet wurden“.

Ein Organisator und Hauptredner einer der Berliner Montagsmahnwachen,
Carsten Halffter, sprach davon,
dass es keine Studentenbewegung mehr gebe
und dass es nun an ihnen sei, auf die Straße zu gehen,
um einen grundlegenden Wandel in der Gesellschaft zu erreichen.
Was damit gemeint ist, kann man unter anderem an den Flaggen der Volksrepublik Donezk sehen,
die auf diesen Demonstrationen geschwungen werden.
Antisemitische Ausfälle,
wie eine Demonstration gegen Israel vor der Synagoge in der Oranienburger Straße,
bei der Israel ein Völkermord an Palästinensern aus rein finanziellen Gründen unterstellt wurde
(„es geht nur um Kohle, Kohle, Kohle“ - was die Jüdische Gemeinde in der Oranienburger Straße damit zu tun haben soll, bleibt allerdings ein Rätsel)
und Parolen wie „Völkermord auf Völkermord ist des Zionisten Lieblingssport!
Leute, Leute passt nur auf, sonst geh’n wir bald alle drauf“
gehören bei diesem Teil der Montagsdemonstranten zum Alltag.
Eine Zuschauerin mit russischem Akzent
bemerkte, dass die deutsche Linke keine Leute auf die Straße bekomme
und daher neidisch auf die Montagsmahnwachen
und Lars Mährholz wären,
wegen dessen durchschlagenden Erfolg
und den gigantischen Besucherzahlen.
Am Brandenburger Tor versammelten sich an diesem Tag etwa 100 Menschen zur Montagsmahnwache.
Auch Hermann Barges, Ex-Chef der Initiative 100% Tempelhof, bekam das Wort erteilt.
Barges ist seit Monaten bei den Berliner Mahnwachen aktiv,
bei denen er unter anderem behauptete, dass man uns mit der deutschen Geschichtsschreibung für dumm verkaufen will
und dass es lächerlich wäre, was „sie“ uns erzählen.
Außerdem bräuchten wir endlich Friedensverträge,
da wir uns mit allen Ländern im Krieg befinden würden.
An diesem Abend wartete er mit der Behauptung auf,
dass es sowas wie Reichsbürger nicht gäbe
und wenn, dann jedenfalls nicht auf der Montagsdemo.
Immer wieder wurden die Wortmeldungen durch Zwischenrufe unterbrochen,
einzelne Diskussionen unter den BesucherInnen nahmen zu
und die Stimmung, die durch die Kamera-Diskussion schon anfangs angespannt war, wurde immer gereizter.
Daraufhin mahnte der Moderator mehrfach Ruhe an
und bat die drei Hauptredner auf dem Podium um abschließende Statements.
Bei den darauf folgenden Schlussworten
waren sich Dr. Strutynski und Dr. Ullrich einig:
man hätte es mit einer neuen und sehr heterogenen Bewegung zu tun,
die „alte“ Friedensbewegung hätte es versäumt,
rechtzeitig eigene Aktionen zu starten
und die Zukunft läge wohl in einer Kooperation
zwischen der neuen und der alten Friedensbewegung.
Pedram Shahyar war der Meinung, dass Linke, die sich dem Dialog mit rechts verschließen,
eine Sekte wären und forderte die taz auf sich für ihre Berichterstattung zu entschuldigen.
Die mittlerweile durch immer wieder aufflammende Wortgefechte, Vorwürfe
und aggressives Verhalten einiger weniger BesucherInnen gereizten taz-Mitarbeiter antworteten genervt,
dass man sie in ihrem Haus nicht zurechtzuweisen hätte.
Nach einem kurzen Wortwechsel erklärte der Moderator schließlich die Veranstaltung
nach den geplanten zwei Stunden für beendet.
Vor dem taz-cafe diskutierte man im Anschluss noch etwas weiter.
Barges, zu seinen Behauptungen zur deutschen Geschichte befragt,
antwortete ausweichend mit "Es gibt da verschiedene Meinungen" und zum Holocaust:
"Darüber kann man streiten, wie viele es waren".
Ken Jebsen diskutierte hocherregt mit einigen Menschen,
im Anschluss führte er mit Pedram Shahyar
noch ein kurzes Gespräch vor der Kamera
auf der anderen Straßenseite,
Carsten Halffter radelte mit seiner Trommel lauthals singend am taz-Cafe vorbei und wir entschieden uns zu gehen.
Dass die Sorge einiger TeilnehmerInnen vor dem Filmen berechtigt war, zeigte sich noch am gleichen Abend.
Als von Seiten der Montagsdemonstranten eine Fotoaufnahme der Veranstaltung
inklusive Namensnennung eines Kritikers der Mahnwachen ins Internet gestellt wurde,
folgten in den Kommentaren sogleich Anfeindungen, Beleidigungen und Drohungen gegen diese Person sowie gegen die taz. Kastius vorm Reichstag:
https://www.youtube.com/watch?v=Dc3s4rM3gJs
Antisemitische Demo vor Synagoge:
https://www.youtube.com/watch?v=hQuz_tMlDm8
Antisemitische Demo durch Berlin:
https://www.youtube.com/watch?v=MZOVsvjWCVk
Hermann Barges und Geschichtsrevisionismus:
https://www.youtube.com/watch?v=jNIH3E7QApM


Hermann Barges
Hermann Barges Richtigstellung: Die hier aufgestellte Behauptung:
<Barges, zu seinen Behauptungen zur deutschen Geschichte befragt, antwortete ausweichend mit "Es gibt da verschiedene Meinungen" und zum Holocaust: "Darüber kann man streiten, wie viele es waren"> ist unwahr (eine konstruierte Lüge).
Zum Holocaust habe ich gar nichts gesagt,
weil ich wußte, dass das eine Falle war.
Richtig ist vielmehr das ich Marx zitiert habe:
"Geschichte ist die Geschichte der Herrschenden"
und weiter Thomas Jefferson: "Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt;
die Wahrheit steht von alleine aufrecht.“
Hingewiesen habe ich u.a. auf den Australier Christopher Clark
mit seiner Darstellung zum Beginn WK I
"Die Schlafwandler" das Geschichte sich durchaus anders zu getragen haben kann,
als es die herrschende Geschichtsschreibung darstellt.
Daher forderte ich eine internationale unabhängige Geschichtsforschung
um Klarheit zu schaffen.
Darauf wollte keiner der Anwesenden "Inquisitoren" eingehen
und die Unterhaltung war beendet.
Was hier in der einseitigen "Berichterstattung" unterschlagen wird
ist meine Anfangsfrage an die anwesenden "Antifa´s":
Warum geht Ihr nicht gegen die Kollaboration der Bundesregierung und "Grüne" mit den Faschisten in der Ukraine vor?
Gefällt mir · Antworten · 2 · 12. September 2014 um 09:12
Die Kentrail-Verschwörung
Die Kentrail-Verschwörung Wir haben drei Zeugen dafür, dass der Satz mit dem "Darüber kann man streiten..." genau so gefallen ist.
"Die Antifa" kritisiert im übrigen sowohl die Bundesregierung als auch die Grünen regelmäßig.
Und warum protestieren die Unterstützer der russischen Seperatisten nicht gegen die ebenfalls faschistische Führungsriege von Novorossiya, die selbst eine ihnen nahestehende Seite darlegt: http://www.nachdenkseiten.de/?p=22496#more-22496