"Die Perspektive ist entscheidend"

Aus Inrur

Wissen statt Glauben

Irrationalismus

eine interessante Aussage/Wahrnehmung,
leider konterkariert durch die unreflektierte Formulierung "zu genießen"
und im letzten Teil
durch die Bezugnahme auf die imaginierte Konstruktion "Gott"

... Volker Schlöndorff: Die historische Wirklichkeit - die gibt es ja gar nicht, die ist ja sowieso eine Fiktion.
Selbst wenn damals zufällig eine Kamera mitgelaufen wäre, würde diese Kamera Filmbilder zeigen, nicht die Wirklichkeit.
Wir kennen ja Bilder aus den KZs, die von den Nazis beziehungsweise von den Alliierten bei der Befreiung gedreht worden sind,
und wir wissen, dass jedes einzelne dieser Bilder mit Vorsicht zu genießen ist.
Ist das ein Filmbild?
Ist das die Wirklichkeit?
Ich habe so viel Literatur verfilmt und mich so oft mit Schriftstellern auseinander gesetzt,
dass ich eines begriffen habe: Das Entscheidende ist die Erzählperspektive.
Wer erzählt, und was hat er gesehen?
Alles hat nur der liebe Gott gesehen. Und der hat keine Kamera....

Quelle
TAZ 11.11.2004
"Die Perspektive ist entscheidend"
Volker Schlöndorff hat mit "Der neunte Tag" einen Film gedreht, der die Sicht eines KZ-Häftlings nachzuahmen versucht.
Ein Gespräch mit dem Regisseur über Geschichte und Fiktion, vermeintliche Darstellungstabus und entschleunigte Bilder
Interview Cristina Nord

ein Zitat mit ähnlicher Erkenntnis:
Chladenius hatte in seiner 1742 veröffentlichten Einleitung zur richtigen Auslegung
vernünftiger Reden und Schriften mit dem „Sehepunckt“
die subjektive Perspektive des Historikers charakterisiert:
Da jede Wahrnehmung vom Standpunkt der wahrnehmenden Person bedingt sei,
hänge auch die Deutung historischer Ereignisse maßgeblich vom Wissen und von der Haltung des Urteilenden ab.