Astrid Kirchhof 'Leib'-Philosophie und New Age - Grundbausteine des Feminismus?

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Astrid Kirchhof
'Leib'-Philosophie und New Age - Grundbausteine des Feminismus?
in "Der Rechte Rand" Nr.41 Juli/August '96 Seite 15/16

"Der Rechte Rand" Nr.42 Sep./Okt 96 Seite 20 Leserinnenreaktionen

Astrid Kirchhof 'Leib'-Philosophie und New Age - Grundbausteine des Feminismus?
Als Vorstandsfrau des im April '96 gegründeten Landesverbandes der feministischen Partei 'Die Frauen'
versucht die freischaffende Berliner Philosphin Annegret Stopczyk den Einstieg in die Politik.
Als Arbeitsschwerpunkt sei es ihr wichtig, eine 'mütterliche Internationale' aufzubauen.
Was eine angebliche Feministin damit meint, wird deutlich bei einem Blick auf ihre 'Leib'-Philosophie.

Als Dozentin für Lehrende des neuen Brandenburger Lehrfaches Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER),
hatte sie bereits die Möglichkeit, die fragwürdigen Inhalte ihrer Philosophie weiterzugeben.
Bei näherer Recherche ihrer früheren Aktivitäten ergibt sich ein rundes, wenn auch bedenkliches, Bild.
Im März und April 1991 wurde im Schulfunk des SDR/SWF eine sechsteilige Sendereihe ausgestrahlt,
die mit dem Namen Leibphilosophie titelte, und in der die Berliner Philosophin Annegret Stopcyk ihre Theorie den Hörerinnen und Hörern näherbrachte.
'Unser Leib ist nicht nur einfach unser Körper.
In der bisherigen Philosophie wurden Körper und Geist getrennt [...].
Es hatte zur Folge, daß wir die Verbindung zwischen unserem Geist und unserem Körper kaum noch wahrnehmen können.
Früher wurde die Verbindung Gemüt genannt, ein schönes deutsches Wort, [...], im modernen Wort, Gefühlswelt.
Ja, und das meine ich mit dem Wort >Leib<'.
>Sophia< (Phi-lo-sophia ; AK.) versteht Stopcyk als (weibliche) Weisheit, in dem Lebenserfahrung eine große Rolle spiele, wobei sie die 'Mächte erziehender Frauen' betont, denn 'es gibt eine spezifisch weibliche Erkenntnis'.
Bessere Zeiten - stammesgesellschaftliche Verbände und Blutslinien
In Abgrenzung zum klassischen Griechenland (4. Jh. v.u.Z.) und der sich dort entwickelnden 'vernünftigen' Philosophie beruft sich Stopczyk auf mutterzentrierte Gesellschaften der 'archaischen Zeit', die sich durch Lehrerinnen und Priesterinnen, Muttergottheiten und weise Frauen ausgezeichnet hätten.
In den 'stammesgesellschaftlichen Verbänden' sei das Haus die Entscheidungsstätte gewesen und die Frau die Entscheidende.
Mit den Stadtstaaten (ab 800) seien geschriebene Gesetze aufgekommen,
statt der alten Bräuche und Sitten oder Blutslinien (!) und leiblichen Bindungen.
Die Kämpfe 'für das Vaterrecht und gegen die Beibehaltung der mutterzentrierten Gesellschaften' datiert Stopczyk auf etwa 1000 v.u.Z..
Das, was sie die 'archaische Zeit' nennt, wird von der Geschichtswissenschaft auf die Spanne vom 8. bis zum Anfang des 5. Jahrhundert festgelegt und ist hinsichtlich der Stellung der Frau jedenfalls soweit erforscht,
daß es beispielsweise noch Priesterinnen gab,
darüber hinaus sich die Stellung der Frau jedoch verschlechterte, möglicherweise wegen der gestiegenen Bedeutung des Krieges,
von der Teilnahme daran Frauen ausgeschlossen waren.
Die Zeit des 7. Jh. v.u.Z. als 'vorpatriarchalisch' zu bezeichnen, ist jedoch nicht aufrecht zu erhalten.
Bei dem von Stopczyk genannten Zeitraum des Überganges von einer matriarchalischen Kultur
zu einer patriarchalischen (1000 v.u.Z) muß sie Einsichten haben,
die Wissenschaftlerinnen entgangen sind.
Die Zeit von 1200 - 800 v.u.Z. wird ganz allgemein das 'Dunkle Zeitalter' genannt, weil hierüber jegliche Quellen fehlen.
Daß Frauen, und vor allem Göttinnen, eine herausragende Rolle in vielen Mythen spielten,
sind jedoch keine neuen Erkenntnisse - und genau die gibt Stopczyk vor zu haben.
Folgen wir weiter ihrer Leibphilosphie.
Mit den klassischen Philosophen wie Sokrates, Platon oder Aristoteles und ihrer 'vernunftorientierten' Philosophie beginnt für Stopczyk das eigentliche Patriarchat und dadurch die bewußt herbeigeführte Trennung von Körper und Geist.
Ansätze zu abstraktem, statt bildlichem und auf Mythen oder Erfahrung basierendem Denken gab es jedoch bereits bei den ionischen Naturphilosophen (7. Jh. v.u.Z.).
Die Umbrüche dieser Zeit sind weniger auf eine patriarchalische Verschwörung zurückzuführen, als vielmehr auf einen zwingend zivilisatorischen Prozeß.
Platon noch hatte die größten Schwierigkeiten mit dem zu seiner Zeit sich vollziehenden Übergang der Oralität zur Schriftlichkeit.
Deshalb nimmt er in seinen Schriften weiterhin starken Bezug auf alte Mythen, und erzählt mehr als er definiert.
Stopczyk sagt über die klassische Zeit:
'Das geschriebene Wort war nun wichtig, ebenso Logos und Vernunft. [...]
Vorher, [...], galten das gesprochene Wort und die mündliche Rede [...] bestimmte, was als Wahrheit und Weisheit anerkannt wurde', statt 'geschriebener Gesetz[e]'.
Sie plädiert dafür, sich von den Grenzen der Vernunft frei zu machen,
da Vernunft Erkenntnis einzig darin suche, 'in dem gerade vom konkreten Leben abstrahiert werden soll'.
Die eigene Natur würde als etwas Fremdes erkannt und folglich seien die ökologischen Probleme beispielsweise nicht mit herkömmlichem Vernunftsdenken zu lösen.
Sei es doch diese patriarchalische Vernunft, die die ökologischen Probleme verursacht habe.
Sophia, laut Stopczyk weibliche Weisheit und Lebenserfahrung, beinhalte männliche Vernunft, das mütterliche Prinzip subordiniere das männliche.
Auffällig ist, daß der Logos, der hier verurteilt wird, von der Autorin angewandt wird, um zu einem Urteil zu kommen.
Wenn Philosophie bzw Sophia Lebenserfahrung ist, so hieße das, daß vor allem erfahrene, also in der Regel ältere Menschen allein wirklich urteilen können und dürfen.
Es dürfte beispielsweise niemand über das Dritte Reich urteilen, der es nicht miterlebt, nicht 'erfahren' hat.
Durch Abstraktion, durch Nachdenken zu einem Urteil zu kommen wird deshalb aversiv von Stopczyk behandelt, da Frauen in der Geschichte von dem ' Vernunftgedanken' ausgeschlossen waren.
Sie spricht sich für die Abschaffung des Vernunftgedankens vor allem deshalb aus, damit Frauen aus der vernünftigen Welt nicht mehr ausgeschlossen werden können.
In ihrer bewußten Betonung der Frau als 'leiblich' emotionales Pendant zu 'männlicher Vernunft' spricht sie all jenen aus dem Herzen, die die vermeintlich biologistische Aufteilung der Geschlechter ideologisch vertreten.
Statt dafür einzutreten, daß jeder Mensch, sowohl Mann als auch Frau, vernunftbegabt ist, argumentiert Stopczyk biologistisch mit umgedrehten Vorzeichen.
Die weibliche Fähigkeit zum leiblichen Fühlen (laut Stopczyk genetisch bedingt) ist mehr Wert als die ('männliche') Ratio.
Der Schritt, nicht nur Geschlechter biologistisch aufzuteilen, sondern auch Ethnien, ist naheliegend, und wurde bzw. wird von einigen oft genug vollzogen.
Das Gebären bestimmt das Bewußtsein?
Um 'eigenleiblich' denken zu können, sollten wir uns mehr 'auf den Magen einlassen, dahinspüren und jenen Gedanken lauschen, die da kommen', ist schließlich der Rat, den Stopczyk uns erteilt.
Da der Körper das Denken bestimme, beeinflusse auch die weibliche Möglichkeit zu gebären die Denkweise maßgeblich.
Ihre 'Philosophie der Geburtlichkeit' sieht schließlich auch eine spezifisch weibliche Erkenntnis vor,
wozu jedoch jede Frau erst einmal Mutter sein müßte, um zu einer weiblichen Erkenntnis zu kommen.
In ihrer Kritik der Vernunft, die zu globaler Ausbeutung unserer Umwelt geführt habe, blendet Stopczyk aus, daß diese durchaus nicht nur im westlichen Abendland stattfindet, das sich darauf beruft seine Wiege in der antiken 'vernunftorientierten' Kultur zu haben
und daß sich als Reaktion hierauf gerade in Westeuropa eine starke öko- und friedensbewegte 'vernünftige' Klientel entwickelt hat.
Hinsichtlich unseres von der Natur entfremdeten Wissens preferiert die Autorin die Naturerkenntnis statt der konventionellen und 'männlichen' Naturwissenschaft.
Naturerkenntnis sei intuitiv und mit Leibphilosophie verbunden.
Die Erkenntnisse würden über eigenleibliche Forschungsweisen erreicht.
'Naturerkenntnis im nichternünftigen Sinne sucht nicht vorrangig nach Gesetzen der Natur,
um diese zu beherrschen, sondern sie sucht Wahrheit...'.
Daß Menschen heute Jahrzehnte länger leben als in früheren Jahrhunderten, daß viele Krankheiten kein Grund mehr sind zu sterben, ist also deshalb unwesentlich, weil beispielsweise auch medizinische Erkenntnisse aus einer 'männlichen' Naturwissenschaft entstanden sind und nicht aus angeblicher weiblicher Emotionalität und Erfahrung.
Die biologistisch-reaktionäre Stoßrichtung mit stark esoterischem Einschlag,
die hier als 'Leibphilosophie' vertreten wird,
ist alles andere als neu und durchaus nicht nur weiblich.
Wenngleich das Konglomerat aus natürlichem Ganzheitsbewußtsein, Kulturpessimismus, Matrialismusablehnung, Vergangenheitsverherrlichung und dem Schreckenszenario eines in der 'kalten' Welt untergehenden Individuums auch Teile der Frauenbewegung erfaßte.
Gerade die Besinnung der Frau auf ihre Gebärfähigkeit und die Überhöhung dieser wurde von mancher als weibliche Antwort auf eine männliche Welt verstanden.
Viele 'große' Männer unserer deutschen Geistesgeschichte hätten Stopczyk Applaus gezollt,
seien es Fichte, Schopenhauer oder Nietzsche.
In ihrer Kritik an der christlich-westlichen Welt,
für deren Legitimation sie durchaus auch östliche Religionen oder sogenannte 'Naturvölker' bemüht,
findet sie sich in guter Gesellschaft mit New AgerInnen, EsoterikerInnen oder MeditationsfanatikerInnen,
die glauben, die Probleme dieser Welt in der besinnlichen Innenschau zu lösen.
Es bedarf einigen Zynismus, 'Naturvölker' als Vorbilder zu zitieren -
man denke nur an die Beschneidungen von Frauen in Afrika- ohne sich für deren Lebenssituation zu interessieren.
Die Frage, warum es erstrebenswert sei, in Stammesverbänden oder Großfamilien zu leben,
die meist hierarchisch und patriarchalisch strukturiert sind, wird nicht beantwortet.
Die geneigten Leserinnen wundern sich nun nicht mehr, daß Stopczyk als einen ihrer Kronzeugen für 'Naturerkenntnis' Rudolf Steiner zitiert.
Die Lehre des Anthroposophen Steiner, bei der es nicht darauf ankommt,
sie 'verstandesmäßig zu beherrschen,
sondern Gefühl, Empfindung, ja das ganze Leben mit ihnen zu durchdringen', stellt die Theorie der fünf Wurzelrassen in den Mittelpunkt.
Mit Anschauungen wie den oben ausgeführten erweist sich Stopczyk als eine jener westlichen Mittelstandsbürgerinnen,
die, eingebettet in die Vorteile und Errungenschaften unserer Gesellschaft
(die durchaus nicht nur männliche sind), von dieser übersättigt an ihr zyni- sche Kritik üben.
Hierfür scheut sie sich nicht, auf ausgewiesene Rassisten, wie etwa Otto Weininger, zurückzugreifen.
( Dazu mehr in der nächsten Ausgabe von DER RECHTE RAND.)
Harmonie und heile Welt Esoterik (gr.) heißt 'nach Innen gerichtet'.
Es ist der Versuch, auf der Ebene persönlicher Erfahrungen die Geheimnisse des Daseins erlebbar zu machen.
Obwohl Stopczyk behauptet nicht esoterisch zu sein, ist die intuitive (weibliche) Lebensbewältigung ein Grundstein ihrer Philosophie.
'Selberdenken oder Philosophieren sollte [...] immer mit vielfältiger Lebenserfahrung verbunden sein...'.
'Es ist diese intuitive beziehungsweise visionäre Erkenntnisart, die immer wieder als spezifisch weib- lich klassifiziert wird'. Männer, so Stopczyk, könnten diese jedoch ebenfalls erlernen.
Stopczyk fragt: 'Wie können wir Menschen uns ins All integrieren?'.
Als das Haupthindernis auf dem Weg zu dieser Wiedervereinigung wird von Esoterikern der Materialismus gesehen.
Materialistisches Denken und Handeln seien die Ursache allen Übels und führten direkt in den Weltuntergang.
Ebenso wie andere Schriften Stopczyks ist auch ihr neues Buch (Nein danke, ich denke selber) voll von kulturpessimistischen Schreckenszenarien, die plastisch den kommenden Abgrund der Menschheit beschreiben.
Die Überbetonung von 'Intuition', durch die die wichtigsten Entscheidungen zu treffen seien, hat jedoch auch die Aufgabe, vor allem 'heftige Debatten' überwinden zu helfen.
Die Ablehnung dieser 'heftige[n] Debatten und endlose[n] Meinungsverschiedenheiten' stellen nicht nur demokratische Gesellschaftsformen in Frage, sondern zeigen auch den ewigen Wunsch eines esoterischen Klienteis nach Harmonie angesichts kapitalistischer
Krisenhaftigkeit.
In der vierten Folge der Sendereihe Leibphilosophie läßt Stopczyk ein Mädchen diesen Wunsch nach Harmonie folgendermaßen formulieren:
'Wir möchten zum Beispiel nichts anderes als in Ruhe leben, lieben...., die Tage mit etwas Schönem verbringen.'
Nicht nur, daß hier in extrem naiver Weise an den Problemen dieser Welt vorbei 'philosophiert' wird, Stopczyk wünscht sich darüber hinaus eine Friedhofsruhe, die weder erstrebenswert noch umsetzbar ist angesichts der Tatsache, daß wir in einer Gesellschaft verschiedener Interessengegensätze leben.
New Age Ein näherer Blick auf die New Age-Bewegung zeigt die ideologische Verstrickung Stopczyks mit dieser. Auf groteske Art wird dadurch der Titel ihres neuen Buches Nein danke, ich denke selber ad absurdum geführt.
Stopczyk: 'Auf meinem eigenen Forschungsweg habe ich mir vorgenommen, [...], auch in unwissenschaftlichen, trivialen Gefilden nach Kenntnissen und Erfahrungen zu fischen.
Zum Beispiel werden in der New-Age-Szene und Esoterik....'.
Ursula Homann schreibt in ihrem Artikel 'Wie realistisch sind die Träume und Visionen von New Age?': 'New Age ist ein stillschweigendes Bündnis verschiedener Menschen mit einer gemeinsamen weltanschaulich-religiösen Grundströmung, die wiederum auf einem heterogenen, aus verschiedenen Quellen gespeisten Gemisch von Kultur-, Zivilisations- und Technikkritik basiert'.
Demzufolge verkörpert New Age in 'erster Linie Abkehr vom technisch-naturwissenschaftlichen Fortschrittsglauben und Protest gegen die Vernunftbesessenheit der modernen Gesellschaft und Zivilisation [...]. Ein Evolutionssprung soll uns ihrer Überzeugung nach zu einem neuen Bewußtsein führen, durch das ein neuer Mensch und eine neue Welt entstehen, eine Welt, in der mehr Weisheit (!) herrscht, als die analytisch-empirischen Wissenschaften zulassen, und in der mehr erreicht wird, als die bisherige Technik erlaubt'.
Im Fall des irrationalen Weltbildes der Philosophin Stopczyk äußern sich die Inhalte des New Age und dessen Kritik am Vernunftdenken, indem sie dieses als patriarchalisch deklariert und so eine positive Hinwendung zu Mütterlichkeit und 'vorhistorischen' Weiblichkeitsmythen vollzieht.
Sie schreibt dazu: 'Die Vernunftaufklärung herrscht etwa seit der Zeit vor der Französischen Revolution...'.
'Ein Ergebnis dieser Tradition (der humanistischen; A.K.) ist unsere heutige ausgebeutete und kranke Erde und Erdatmosphäre, aussterbende Tierarten, vergessenes Naturwissen, gewaltsam zivilisierte Naturvölker, Desensiblisierung unserer Gemütswelt und Gedankentätigkeit'.
'Auf der Suche nach der Weisheit zu sein, ist ein philosophischer Weg, auf dem es insbesondere Frauen leichter haben...'.
Neben berechtigten Kritikpunkten, die New Ager ansprechen, liegt die Gefahr ihres Weltbildes vor allem darin, daß mit der Abkehr von Vernunft und rationalem Denken, unter Hinzuziehung von Gefühlen, alten und neuen Irrationalismen der Weg geebnet wird, bei denen die Fähigkeit zur Selbstreflexion verloren ginge.
Stopczyk ist beispielsweise der Meinung: 'Ich vertraue da einfach meinem Bauch -ja ganz primitiv.
Mein Kopf kann nämlich alles für richtig halten, wenn es ein paar gute Gründe dafür gibt'.
Gerade hier liegen gefährliche Ansatzpunkte, denn es sind vor allem Gefühle die beispielsweise traditionelles Denken oder Vorurteile noch verstärken.
Obwohl Stopczyk die Ansicht vertritt, daß 'rational-patriarchales' Denken die ökologischen Probleme hervortrieb und deshalb durch eben dieses Denken nicht beseitigt werden könnten, so ist genau das Gegenteil der Fall.
Den heutigen Problemen kann nur mit Rationalismus entgegengetreten werden.
Homann schreibt hierzu: 'Naiv mutet außerdem der Glaube an, die Weltkrisen seien in erster Linie durch übertriebene Rationalität entstanden. Wissenschaft ist zwar eine Sache des Verstandes, aber bei der Anwendung ihrer Produkte steht die Vernunft nicht immer Pate'.
Das mystisch-esoterische Weltbild beklagt zwar die Technik, Vernunft und Umweltzerstörung; durch die Vereinfa- chung der komplexen Welt werden jedoch, gravierende Probleme oder soziale Ungerechtigkeiten weder thematisiert noch Lösungsangebote entwickelt.
Zu dem Problem von Armut und Reichtum weiß Stopczyk lediglich folgendes zu sagen:
'Ein armer Mensch ist glücklich über eine trok- kene Scheibe Brot, und ein reicher Mensch ist glücklich über eine Million.
Das Gefühl >Es geht mir gut< ist weder im Reichtum noch in Armut bevorzugt zu erreichen.
Es ist eine Frage der menschlichen Möglichkeiten, mit unbefriedigten Bedürfnissen,
die ständig da sind, trotzdem zufrieden leben zu können'.
Ein Aufbegehren gegen soziale Ungerechtigkeiten ist in dieser Weltsicht nicht mehr möglich und, da scheinbar unnötig, außerdem ein individuelles Problem.